Supervision lebt nicht von Methoden.
Sie lebt von Beziehung.
Und Beziehung entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht zwischen Menschen, die jeweils etwas mitbringen - Erfahrungen, Prägungen, innere Landkarten. Deshalb ist es nicht nebensächlich, was eine Supervisor*in „im Rucksack hat“. Es wirkt immer mit, auch dann, wenn es nicht benannt wird.
Mein eigener Weg in die Supervision war kein geradliniger und genau das prägt meine Arbeit.
Ich habe nach meiner Schulzeit zehn Jahre beim Privatfernsehen gearbeitet. In einem Feld, das schnell ist, leistungsorientiert, klar strukturiert und wenig nachsichtig mit Unsicherheiten. Ich kenne Arbeitswelten, in denen Tempo zählt, Entscheidungen pragmatisch getroffen werden und persönliche Befindlichkeiten kaum Raum haben. Diese Erfahrung hilft mir bis heute, unternehmerische Logiken zu verstehen, auch jenseits der sozialen Arbeit.
Mit 30 habe ich begonnen, Psychologie zu studieren. Nicht aus einem frühen Berufswunsch heraus, sondern aus einer biografischen Bewegung, aus Fragen, die sich gestellt hatten. Parallel dazu traf ich meinen Mann und wir bekamen Kinder. Zwei Leben, die mich gelehrt haben, wie wenig planbar Entwicklung ist und wie sehr Verantwortung den Blick verändert. Elternschaft hat meinen professionellen Blick nicht weicher gemacht, sondern realistischer.
Sechs Jahre lang habe ich als Familienhelferin gearbeitet und als Mediatorin bei Trennungs- und Scheidungskonflikten. Ich kenne hoch eskalierte Situationen, Loyalitätskonflikte, Sprachlosigkeit und den Versuch, handlungsfähig zu bleiben, während Beziehungen zerbrechen. Diese Zeit hat meine Fähigkeit geschärft, Ambivalenzen auszuhalten und nicht vorschnell Partei zu ergreifen. Und sie hat mir gezeigt, wie viel Entlastung entstehen kann, wenn Dinge endlich benannt werden dürfen.
Seit 2015 arbeitete ich aufsuchend. Nah an den Lebensrealitäten von Menschen, nicht im geschützten Raum. Seit 2022 habe ich mit meiner eigenen Praxis einen festen Ort, ein Zuhause für meine Arbeit. Beides gehört für mich zusammen: die Erfahrung von Nähe und die Notwendigkeit klarer professioneller Grenzen.
All das bringe ich mit in die Supervision. Nicht als Geschichte, die erzählt werden muss, sondern als Hintergrund, der meine Haltung prägt.
Ich arbeite nicht reparierend.
Ich arbeite ordnend.
Ich gehe davon aus, dass Fachkräfte in der Regel wissen, was sie tun und dennoch überfordert sein können. Dass Belastung häufig aus Unklarheit entsteht, nicht aus Unfähigkeit. Dass Verstehen entlastet und dass professionelle Haltung Grenzen braucht, nicht mehr Einsatz.
In meiner Supervision geht es nicht um Optimierung, Motivation oder Lösungen auf Zuruf. Es geht um Einordnung, Perspektivwechsel und die Möglichkeit, wieder handlungsfähig zu werden, ohne sich selbst zu verlieren. Beziehung ist dabei kein Werkzeug, sondern die Grundlage. Eine tragfähige Arbeitsbeziehung, die weder vereinnahmt noch distanziert, sondern klar und zugewandt ist.
Was ich im Rucksack habe, entscheidet darüber, wie ich zuhöre.
Welche Fragen ich stelle.
Wo ich Geduld habe.
Und wo ich Klarheit einfordere.
Supervision ist kein neutraler Raum.
Aber sie kann ein sicherer sein.




